Stellungnahme zum Mammographiescreening

aus Sicht eines Radiologen

 

 

Das Mammographiescreening ist als Maßnahme zur Früherkennung von Brustkrebs ins Leben gerufen worden. Das Programm richtet sich an 50 – 69 jährige Frauen und geht auf einen Bundestagsbeschluss vom 22.06.2002 zurück.

Es unterliegt einer sehr aufwendigen Qualitätssicherung und wird als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen angeboten.

Für den Bereich des oberbergischen Kreises wird eine wohnortnahe Untersuchung durch eine mobile Untersuchungseinheit gewährleistet,

das so genannte Mammobil. Dieser Bus wird die größeren Orte des Kreises nach vorheriger Ankündigung anfahren. Mit dem Programmstart ist im 2. Quartal 2007 zu rechnen.

 

 

Organisationsstruktur

 

 

  –und nur dort- .

 

 

 

 

 

 

 

Nach Aussage der deutschen Röntgengesellschaft sind die Qualitätssicherungsmaßnahmen geeignet, sicherzustellen, dass das Mammographiescreening zur Früherkennung von Brustkrebs „auf höchstem Niveau betrieben wird“ (www.drg.de)

Dennoch gibt es Kritik am Screening Programm:

 

Konzeptionelle Kritikpunkte:

 

1. Es ist bekannt, dass mit der Mammographie allein nicht bei allen Frauen ein hinreichend sicherer Tumorausschluss möglich ist, vor allem bei Frauen mit dichtem Drüsengewebe. Eine ergänzende Ultraschalluntersuchung könnte diese diagnostische Lücke in vielen Fällen schließen, wird im Screening aber nicht angeboten, da der entsprechende Nachweis durch anerkannte wissenschaftliche Studien nicht erbracht ist.

2. Es wird für eine Altersgruppe der Bevölkerung eine einheitliche     Früherkennungsmaßnahme angeboten. Sinnvoller wäre eine Früherkennung, welche auf das individuelle Risikoprofil der jeweiligen Teilnehmerin abgestellt ist.

3. Die systematische Früherkennung wird zur Diagnose und Therapie von Tumorvorstufen führen, die unerkannt nicht zu einem Erkrankungsausbruch oder gar zum Tode geführt hätten

(sog. Überdiagnose und Übertherapie). Das heißt, es werden Frauen unnötigerweise mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert.

 

Strukturelle Kritikpunkte:

 

1. Die Screeningeinheiten sind ganz überwiegend im ambulanten Bereich angesiedelt, sind damit im Regelfall von den bereits bestehenden Brustzentren entkoppelt. Hier werden etablierte    Zentren in Sachen Brustkrebsdiagnose und –therapie nicht genutzt,  sondern eine Parallelstruktur aufgebaut.

Konkret bedeutet das für den oberbergischen Kreis:

Sollte eine Screeningteilnehmerin einen abklärungsbedürftigen Befund haben, kann diese weiterführende Untersuchung (Assessment) nach heutiger Organisation nicht im Brustzentrum in Gummersbach stattfinden, sondern wird in Köln Deutz oder Leverkusen durchgeführt.

Eine eventuell erforderliche Behandlung wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls außerhalb erfolgen.

So ist in den nächsten Jahren bundesweit mit einer Reduzierung der Brustzentren zu rechnen. Eine heimatnahe Versorgung wird in vielen Regionen der Vergangenheit angehören. Das kann nicht das Ziel   einer bürgerorientierten Gesundheitspolitik sein. Vom Ressourcenverbrauch ganz zu schweigen.

 

2. Dieser Trend wird vermutlich auch universitäre Einrichtungen und  Lehrkrankenhäuser betreffen (z.B. Gummersbach), mithin diese Einrichtungen, die zum einen für die ärztliche Aus- und Weiterbildung verantwortlich zeichnen, zum anderen die Brustdiagnostik wissenschaftlich voranbringen.

 

3. Diesem Trend widersetzen sich die Verantwortlichen des Gummersbacher Brustzentrums entschieden.

Wir möchten Ihnen zumindest die Möglichkeit einer kompetenten ortsnahen Abklärung und Behandlung ermöglichen.

 

Entsprechend ergibt sich aus radiologischer Sicht folgendes Fazit:

 

·       Wir möchten Ihnen die Möglichkeiten und Grenzen des Mammographiescreenings aufzeigen, wie bereits in mehrere Foren geschehen.

 

·       Wir empfehlen Ihnen die Teilnahme am Screening, da es keine bessere Früherkennungsmammographie gibt, raten Ihnen aber zusätzlich zur Durchführung einer jährlichen Ultraschalluntersu­chung und Abtastung der Brust durch Ihren Frauenarzt neben der regelmäßigen Selbstuntersuchung.

 

·       Wir plädieren für strukturelle Verbesserungen des Screenings wie oben beschrieben und setzen uns insbesondere für eine Stärkung des Brustzentrums Gummersbach ein.
 

Für das Brustzentrum Gummersbach

 

Dr. med. Achim Müller

FA für Diagnostische Radiologie

OA und Schwerpunktleiter Diagnostik

im Brustzentrum GM

 

Diese Stellungnahme stützt sich auf Aussagen der
deutschen Röntgengesellschaft DRG, verfasst im Januar 2007

 



 

In der Folge möchten wir auf erste und neue Erkenntnisse zum Mammographie-Screening hinweisen:

 

Deutsche Gesellschaft für Senologie, 10757 Berlin, Juni 2009

 

www.senologie.org
"Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Senologie, finden Sie Informationen zur Gesellschaft und über ihre Aktivitäten sowie aktuelle Meldungen zum Thema Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen.

Hier finden Sie auch weitergehende Patienteninfos. Mit den Patienteninfos der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die in Kooperation mit der Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V. herausgegeben werden, sollen Patientinnen, Interessierte und Ärzte über aktuelle Themen und Aktivitäten der Gesellschaft informiert werden". www.senologie.org/patienten/patienten_patienteninfos.php